Kurs ‐ Beschreibung
Seit Voltaire gilt die Geschichtsphilosophie als eine besondere philosophische
Disziplin, die von der Geschichte der Menschheit insgesamt
handelt und die in der traditionellen Einteilung der Philosophie
in Logik, Philosophie der Natur und Philosophie des menschlichen
Handelns schwer unterzubringen ist. Denn die res gestae der
Menschheit gehören, auch als gegenwärtige und künftige, zwar zu
den Erfahrungstatsachen, deren Inbegriff „Natur“ genannt werden
kann. Aber die menschliche Praxis steht sowohl unter Natur‐ als
auch unter moralischen Gesetzen der Freiheit, und also ist die Geschichte
der Menschheit nicht nur ein Teil der Naturgeschichte
(Kant, Herder), sondern auch ein Gegenstand der Philosophie des
technisch‐praktischen Vernunftgebrauchs der Menschen und seiner
Produkte (der Kultur und solcher Artefakte wie Staaten und andere
Institutionen) sowie der Moral und insbesondere der philosophischen
Rechtslehre. Hinzukommt, dass die Geschichte als historia rerum
gestarum, als Geschichtserzählung, schwerwiegende hermeneutische
Probleme aufwirft (die Dilthey auf den sonderbaren Gedanken
verfallen ließen, es bedürfe einer „Kritik der historischen Vernunft“),
nämlich solche des Verstehens der Zeugnisse der Vergangenheit und
der mit ihnen, als Folgen und Gründen des historischen Selbstverständnisses
der Menschen, unvermeidlich verbundenen Ideologien
religiöser und ethnischer Provenienz (Volksgeist und Weltgeist). Die
Geschichtsphilosophie sitzt also, ähnlich der Anthropologie, zwischen
allen Stühlen philosophischer Teilgebiete.
Die beiden wichtigsten Beispiele für Geschichtsphilosophie in der
Epoche der klassischen deutschen Philosophie sind die Kants und
Hegels. Nach Hegel ist die Philosophie der Geschichte „nichts Anderes,
als die denkende Betrachtung derselben“. Trotz ihrer Schlichtheit
bezeugt diese Definition immerhin eine Übereinstimmung dieses
Verständnisses von Geschichtsphilosophie mit dem Kants, für den
sie ebenfalls zur theoretischen Philosophie gehört, obwohl die leitende
Idee der teleologischen Beurteilung der menschlichen Praxis in
der Geschichte aus der praktischen Philosophie stammt. Unser Kurs
wird sich voraussichtlich in Vorträgen und Diskussionen im Rahmen
der von Kant und Hegel gelieferten Vorgaben bewegen.
Work Schedule
‐ The course is conducted five days per week, with morning and afternoon
sessions. Its pattern will however remain flexible and will be
determined by a specific requirement of the course.
‐ The course is offered on the postgraduate level but the participation
of any advanced or motivated student is welcomed.
‐ On request the IUC will issue the Certificate of Attendance. The
IUC will also provide a special certificate for which, as a rule, the
presentation of a paper will have been expected.
‐ The working language of the course will be German.
General Information
Enquiries about the course and participation should be addressed to
the IUC Secretariat or to one of the course directors.
Those interested in taking the course are requested to register with
the Secretariat or one of the course directors supplying them with the
relevant information, i.e. name, address, academic standing and ‐ if
the applicant is an undergraduate ‐ a recommendation from one of
the professors.
The IUC would like to receive such a registration as soon as possible.
Two weeks before the start of the course should be regarded as the
latest date.
It should be noted however that the course might not be given because
of exceptional circumstances. In such circumstances the IUC
will inform the persons registered as soon as possible. In no circumstance
however can the IUC assume any financial responsibility resulting
from the cancellation of the course.
Upon arrival in Dubrovnik participants will pay to the IUC a course
fee in Croatian kunas equivalent to 40 EUR per week.
Information on accommodation, travel etc. can be obtained from the
IUC Secretariat at the address below.
INTER UNIVERSITY CENTRE
Don Frana Bulica 4, HR ‐ 20000 Dubrovnik, Croatia
EILT!
Fachkursstipendien für deutsche Studierende und Graduierte sind
beim DAAD (Referat 513) zu beantragen.
Bewerbungsschluß 3 Monate vor Kursbeginn.
E‐mail: Leistritz@daad.de, Telefon 0228/882336.
Kurs Programm
Die folgende Liste enthält die Namen der Dozenten, die bis
jetzt Ihre Mitwirkung und Ihre Bereitschaft zu Vorträgen
zugesagt haben, und die Themen ihrer Vorträge:
(1) Prof. Dr. Manfred Baum (Universität Wuppertal):
„Hegels Einleitung zu seinen Vorlesungen über die
Philosophie der Weltgeschichte.“
(2) Prof. Dr. Goran Gretic (Universität Zagreb): „Über
den populären Hegelianismus Carl Schmitts.“
(3) Prof. Dr. Georg Geismann (Universität der Bundeswehr
München): „Geschichtsphilosophie und Politik.“
(4) Prof. Dr. Bernward Grünewald (Universität zu Köln):
„Geschichtsphilosophie, Geschichtswissenschaft
und Geschichtsschreibung.“
(5) Dr. Franz Hespe (Universität Braunschweig): „Teleologische
Geschichtskonzeption und Verantwortung
der Menschheit: Hegels Begriff der Moderne.“
(6) Prof. Dr. Heinrich Hüni (Universität Wuppertal),
„Weltgeschichte nach Heidegger.“
(7) Prof. Dr. Zvonko Posavec (Universität Zagreb): „Das
Ende der geschichtstheologischen Politik.“
(8) Prof. Dr. Michael Wolff (Universität Bielefeld):
„Krieg, Frieden und Weltgeschichte. Zur Geschichtsphilosophie
in Hegels Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften.“