5 / PHILOSOPHIE UND DEMOKRATIE
Europa und die Demokratie
2 – 7 September 2012Course directors:
Henning Ottmann, University of Munich, Germany
Pavo Barišić, University of Split, Croatia
Course description:
Europa hat seine politische From noch nicht gefunden. Ob es ein Staatenbund oder ein Bundesstaat sein soll, ist genauso umstritten wie die Frage, ob Europa eine Demokratie sein kann. Das Bundesverfassungsgericht hat sich mit der Formel beholfen, von einem „Staatenverbund“ zu sprechen, was aber eher eine Verlegeneheitsformel als eine Lösung der strittigen Frage ist. Um eine Demokratie zu sein, fehlen Europa ein Staatsvolk, eine politische Öffentlichkeit und europäische Parteien. Außenpolitisch spricht Europa nicht mit einer Stimme. Militärpolitisch ist es nicht selbständig. Das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung ist in den Mitgliedsstaaten unterschiedlich, ohne daß dies die gemeinsame Währung durch Auf- oder Abwertung zum Ausdruck bringen könnte. Über die Schwierigkeiten, Europa eine politische Form zu geben, haben Theorien hinweggetäuscht, die Europa als ein kosmopolitisches „Imperium“ ohne Hauptstadt und ohne Grenzen begriffen (U. Beck) oder Europa als einen Kontinent verstanden, der nur „von außen“ zu definieren sein könnte (Derrida). Daß Europa sehr wohl über (scharf bewachte) Grenzen verfügt und sich als Großraum gegenüber anderen Großräumen zu positionieren hat, dürfte der Realität näherkommen. Daß mit den Nationalstaaten auf absehbare Zeit zu rechnen ist, muß in die europapolitischen Betrachtungen eingehen. Umso mehr stellt sich die Frage, wie ein bürgernahes Europa überhaupt gedacht werden kann. Gibt es Modelle der Konföderation in der Antike oder Moderne, die als Vorbild dienen könnten? Besitzt Europa eine kulturelle Identität, die dem europäischen Projekt zugrundegelegt werden kann? Kann sich eine Solidarität entwicklen, die über den Nationalstaat hinausreicht? Woher läßt sich die Homogenität nehmen, die ein demokratisches Europa vorstellbar werden ließe? Oder wird Europa ein Großwirtschaftsraum sein, kombiniert mit einem Verwaltungsapparat und einer von oben vollzogenen Rechtsangleichung? Bürgerfern, bürokratsich und geprägt von der Angst, die Völker entscheiden zu lassen, welchen Weg sie gehen wollen?
Course lecturers:
Henning Ottmann, University of Munich, Germany
Mark Andrew Evans, Swansea University, United Kingdom
Mislav Kukoč, University of Split, Croatia
Pavo Barišić, University of Split, Croatia
Stjepan Radić, J. J. Strossmayer University of Osijek, Croatia
Rok Svetlič, University of Primorska, Slovenia
Christo Todorov, New Bulgarian University, Sofia, Bulgaria
Olga Simova, University of Plovdiv, Bulgaria
Jöerg Wernecke, University of Munich, Germany
Nusser Karl-heinz, University of Munich, Germany
Tina Marasović, Primary School Kman-Kocunar, Croatia
Work Schedule:
Sunday, September 2, 2012 Arrival of participants Monday, September 3, 2012 09.30 – 10.00 Opening session 10.00 – 11.00 Prof. Dr. Henning Ottmann (München): Europa und die Demokratie 11.30 – 12.30 Prof. Dr. Mislav Kukoč (Split): Oligarchic Globalization: The Crisis of Democracy in Contemporary Europe 17.00 – 18.00 Dr. Bruno Ćurko (Zagreb): Challenges of Education for Democracy in Southeast Europe 18.30 – 19.30 Prof. Dr. Stjepan Radić (Đakovo): Kann man heute über Solidarität reden: Solidaritätstugend im Kontext der Globalisierung Tuesday, September 4, 2012 09.30 – 10.30 Prof. Dr. Volker Gerhardt (Berlin): 11.00 – 12.00 Prof. Dr. Olga Simova (Plovdiv): Was für eine Demokratie ist in der EU möglich? 17.00 – 18.00 Prof. Dr. Pavo Barišić (Split): Democracy as a Way of Life in Southeast Europe 18.30 – 19.30 PD. Dr. Jörg Wernecke (München): Democracy, Public and Media: a problematical relationship (not only) for Europe Wednesday, September 5, 2012 09.30 – 10.30 Prof. Dr. Karl-Heinz Nusser (Munich): Europäische Bürgeridentität auf der Basis der europäischen Nationen 11.00 – 12.00 Dr. Conrad Clewing (Regensburg): Zum allgemeinen Verhältnis von moderner Teilhabe und nationaler Öffentlichkeit am Beispiel der späten Habsburgermonarchie 17.00 - 18.00 Tina Marasović, M. A. (Split): The Role of Political Elites of Countries in Transition in Creating Euopean Political Scene 18.30 – 19.30 Prof. Dr. Rok Svetlič (Koper): Zwei Thematisierungsweisen der Gewalt in der Philosophie der Neuzeit Thursday, September 6, 2012 Excursion Friday, September 7, 2012 09.30 – 10.30 Prof. Dr. Mark Evans (Swansea): 11.00 – 12.00 Prof. Dr. Christo Todorov (Sofia): Politische Integration und Solidarität in der EU *** 30 minutes lecture 30 minutes discussion