Die Rückkehr der Geschichtsphilosophie
In den letzten Jahrzehnten hatte die Geschichtsphilosophie keine gute Konjunktur. Das mag
an der politischen Großwetterlage oder an philosophieimmanenten Entwicklungen liegen.
Nach dem Ende der starren Systemkonkurrenz zwischen Ost und West und dem Wegfall der
Notwendigkeit, geschichtsphilosophische Universalkonstruktionen ideologisch zu erhärten
oder zu bekämpfen, ist es für die Geschichtsphilosophie schwer geworden, ihre grundlegenden
Perspektiven auf die Geschichte zu rechtfertigen. Andererseits zielen die Zugänge aus
der analytischen Tradition angloamerikanischer Prägung selten auf eine grundlegende Orientierung
des Menschen in der geschichtlichen Zeit. Auch die letzte Welle einer Anthropologie
unter neurophilosophischen oder neurobiologischen Vorzeichen schließt eine geschichtsphilosophische
Orientierung weitgehend aus. Die Geschichtsphilosophie ist, so ließe
sich diagnostizieren, aus der Philosophie ausgewandert. Sie findet sich in der Wissenschaftund
Technikgeschichte ebenso wie in den Kulturwissenschaften, aber nicht mehr in der disziplinären
Philosophie.
Demgegenüber wird inzwischen auch aus der Philosophie das Bedürfnis nach einer neuen
Geschichtsphilosophie laut. Globalisierung und Entgrenzung, neuartige Formen der Politisierung
und ein unübersichtlich gewordenes individuelles Leben in Krisen und Katastrophen
fordern einen neuen Versuch der ›Sinngebung des Sinnlosen‹ heraus. Aus dem Blickwinkel
einer Historisierung grundlegender Begrifflichkeiten scheint Geschichtsphilosophie
die analytische Tradition wie auch die philosophy of mind in Frage zu stellen. Der Einblick in
die grundlegende Geschichtlichkeit menschlichen Wissens und Daseins relativiert naturalistische
und szientistische Konzepte und eröffnet die Möglichkeit einer geisteswissenschaftlichen,
genuin philosophischen Betrachtung moderner Wissens- und Lebensformen.
Der Sommerkurs richtet sich an Studierende und Doktoranden der Philosophie und anderer
Fächer. Es werden klassische Texte zur Geschichtsphilosophie gelesen und kritisch diskutiert
werden. Besonderes Augenmerk gilt der Grundlegung und der Systematik einer Philosophie
der Geschichte. Vorträge und Referate sind herzlich willkommen.
1
Willkommen sind besonders Teilnehmer aus ganz Europa. Für deutsche Teilnehmer gibt es
die Möglichkeit, ein Fachkurs-Stipendium zu beantragen. Darüber hinaus gibt es ein HESP-Stipendium
für bestimmte Länder. Dazu gibt das IUC Dubrovnik folgende Informationen:
The purpose of the HESP scholarship grants is to help the academic development and improve teaching skills for young
scholars from selected former communist countries. Scholarships are available only for selected courses in the field of
humanities and social sciences. Eligibility criteria: The applicants must be
• graduate (primarily Ph.D.) students or young faculty members
• studying or teaching in the field of social sciences and humanities
• under 40 years of age
• nationals and permanent residents of one of the following countries: Albania, Armenia, Azerbaijan, Belarus,
Bosnia & Herzegovina, Kosovo, Kyrgyzstan, Macedonia, Moldova, Montenegro, Republic of Georgia, Russia,
Serbia and Ukraine
Weitere Informationen, Literatur- und Themenhinweise, Reisemodalitäten etc. auf Anfrage.
Leitung
Prof. Dr. Christoph Asmuth
Technische Universität Berlin
Institut für Philosophie (Sekr. H72)
Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin
Dr. Ana Carrasco Conde
§ Universidad Complutense de Madrid
Edificio Ortega y Gasset
C / Madrid, 126 Despacho 17.2.29
28903 Getafe
Dozenten
• Dr. Peggy H. Breitenstein (Marburg)
• Sevilay Karaduman (Berlin)
• Dr. Cem Kömürcü (Universität Heidelberg)
• Dr. Max Winter (Universität Jena)
Organisation & Anmeldung
Peter Remmers
Technische Universität Berlin
Institut für Philosophie (Sekr. H72)
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
peter.remmers@tu-berlin.de