4 / POLITISCHE THEORIE


31 August – 7 September 2014   print this page

Course directors:

Davor Rodin, University of Zagreb, Croatia
Nenad Zakošek, University of Zagreb, Croatia
Hans Vorländer, TU Dresden, Germany


Course description:

Krisendiagnosen und Zukunftsperspektiven der Demokratie

Die Rede von der Krise der Demokratie ist gewiss so alt wie die Demokratie selbst. Sie begleitete vielfach den Wandel demokratischer Ordnungen, ohne dass sie deren Ende markierte. Gleichwohl lässt sich kaum bestreiten, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts einige beunruhigende Krisenphänomene und Strukturprobleme der repräsentativen Demokratie gibt, die das uns bekannte Verständnis von Demokratie zu verändern scheinen und angesichts neuer Herausforderungen erneut nach ihrer Zukunft fragen lassen.

Diese Herausforderungen ergeben sich sowohl aus äußeren wie auch aus inneren Problemen: So führt zunächst die Einbindung demokratischer Staaten in supranationale Organisationen und internationale Governance-Strukturen zu einem komplexen System von Willensbildungsprozessen, das eine klare Zurechnung von Verantwortlichkeiten erschwert und die Transparenz und Responsivität politischer Entscheidungsfindung immer mehr vernachlässigt. Dieses schon seit längerem diagnostizierte Spannungsverhältnis zwischen transnationalen Regulierungsnotwendigkeiten und nationalen Legitimationserfordernissen wird durch die gegenwärtige Banken- und Eurokrise nochmals verschärft und erfährt dadurch eine ganz neue Aktualität und Brisanz: Sie führt uns die Notwendigkeit internationaler Institutionen vor Augen, verweist jedoch gleichzeitig auf deren mangelnde demokratische Ausgestaltung.

Doch auch von innen heraus erwachsen der Demokratie neue Probleme: Der öffentliche Raum der Meinungs- und Willensbildung hat sich unter dem Einfluss der Massenmedien verändert und führt zu neuen Formen der Inszenierung von Politik, in denen der Bürger meist auf die Rolle des passiven Zuschauers reduziert wird. Gerade in Krisenzeiten wird Politik so dazu verleitet, sich an kurzfristigen Aufmerksamkeitsgewinnen zu orientieren und dabei langfristig das Vertrauen der Bürger in die repräsentativen Institutionen zu verspielen. Indem gleichzeitig die stabilisierende Prägekraft sozialer Milieus und zivilgesellschaftlicher Organisationen nachlässt, kommt es zu neuen Formen politischen Handelns wie etwa durch Ad hoc-Initiativen, Protest und die Besetzung öffentlicher Plätze. Die demokratische Lebensform in der Gesellschaft und der repräsentative demokratische Entscheidungsprozess scheinen sich einander zunehmend zu entfremden.

Diese hier nur grob skizzierten Probleme eröffnen ein breites Spektrum von Fragen, mit denen sich der diesjährige Sommerkurs ‚Politische Theorie’ beschäftigen möchte: Ist unser bisheriges Verständnis repräsentativer Demokratie ein Auslaufmodell? Geben uns die Krisenphänomene Anlass, bereits von einem ‚postdemokratischen’ Zeitalter zu sprechen? Wie können wir die vielfältigen endogenen und exogenen Problemkonstellationen angemessen und von Skandalisierungen ungetrübt in den Blick bekommen? Gibt es möglicherweise Verschränkungen und Wechselverhältnisse zwischen den beiden hier angesprochenen Ebenen? Und welche Zukunftsperspektiven und Szenarien lassen sich aus diesen Problemkonstellationen ableiten?

Hilfreich für die Beantwortung dieser und anderer Fragen sind ideengeschichtliche Zugänge, begriffliche und theoretische Reflexionen wie auch empirisch orientierte Analysen und Fallstudien. Als ‚kroatisches Athen’ verweist die einstige Städterepublik Dubrovnik unmittelbar zurück auf die Geburtsstunde der Demokratie und bietet daher das ideale Umfeld, um über das Selbstverständnis, die Krisen und die Zukunftsperspektiven der Demokratie im 21. Jahrhundert nachzudenken und zu diskutieren.


Course lecturers:

Nenad Zakošek, University of Zagreb, Croatia
Hans Vorländer, TU Dresden, Germany
Theodoros Konstantakopoulos, University of Luzern, Switzerland
André Brodocz, University of Erfurt, Germany
Mark Arenhövel, TU Dresden, Germany
Franc Wagner, University of Luzern, Switzerland
Günter Frankenberg, Goethe-University Frankfurt, Germany
Katharina Klappheck, TU Dresden, Germany